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Indie Review / Test

Yippie-ya-yay, Schweinebacke – DanCop: Daniela on Duty

Erinnert ihr euch noch an das ActionRex aus den Neunzigern? Nein? Kein Wunder, denn die vermeintliche 32Bit-Konsole der fiktiven Firma Doppelmann ist in Wahrheit nur ein witziger PR-Stunt des deutschen Indie-Teams Scrubby Squirrel. Ihr Spiel DanCop ist gewissermaßen als Liebesbrief an die erste PlayStation gedacht und gibt sich viel Mühe, den Eindruck zu erzeugen, es sei tatsächlich ein wiederentdecktes Spiel aus dieser Ära.

Das fängt schon damit an, dass das Intro des Spiels verdächtig nach dem berühmten Boot Screen der PS 1 aussieht und auch klingt. Und von der ersten Minute an blickt man auf einen alten Röhrenfernseher, auf dem das Spiel dann stilecht in 4:3 mit schwarzem Rand und gewölbter Bildfläche präsentiert wird. Einen wirklich authentischen Look hat die flimmerfreie und glatt geschliffene Spielgrafik mit ihren 3D-Levels, den zweidimensionalen Objekten und Charakteren sicher nicht, aber ein gewisses Flair durchaus. Mich persönlich erinnert die Optik vor allem an Probe Softwares Spielumsetzung des ersten Stirb Langsam Films aus dem Jahr 1996.


Plattform: PC, Mac
Release: 15. Mai 2019
Entwickler: Scrubby Squirrel
Genre: Puzzle, Stealth, Retro
Preis: 5,69 €
Website | itch.io | Steam


Vom Blogger zum Entwickler
Zum Indie-Team Scrubby Squirrel gehört übrigens auch Pietro D‘Amore. Den Hamburger kennen die Blogger unter euch vielleicht noch von CouchCastle. Das Konzept für DanCop sowie das Grafikdesign stammen aus seiner Feder und es soll nicht das letzte Spiel gewesen sein.

Mehr noch als diese Lizenzversoftung war der Film selbst eine ganz offensichtliche Inspiration. Auch hier fällt ein kompletter Wolkenkratzer in die Hände einer skrupellosen Terrorgruppe, die nur von einer einzigen Person gestoppt werden kann. In diesem Fall ist es aber kein raubeiniger Doppelgänger von Bruce Willis. Stattdessen wagt sich die toughe Kommissarin Daniela Steinfels ins Gebäude, die mit dem Oberbösewicht noch eine offene Rechnung zu begleichen hat. Das Ganze wirkt jedoch eher knuddelig als blutrünstig und auch sonst interpretiert man Die Hard auf eine ganz eigene Art. DanCop ist nämlich gar keine Actionorgie wie die echten Die Hard Games, sondern eine ungewöhnliche Mixtur aus Puzzle und Schleichspiel mit der Gnadenlosigkeit eines Super Meatboy.

Man bewegt Daniela aus einer festen, leicht angeschrägten Vogelperspektive durch die Etagen und muss irgendwie lebendig bis zum Fahrstuhl gelangen. Überall laufen Wachen umher, die bei Sichtkontakt das Feuer eröffnen und die Polizistin sofort niederstrecken. Obendrein gibt es für die Dienstwaffe nur wenig Munition und im Nahkampf hat man nur aus dem Hinterhalt eine Chance. Die meiste Zeit ist es also am besten, wenn man den Kopf unten hält und versucht, die Bösewichte irgendwie zu umgehen.

Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn hier kommt ein besonderer Kniff ins Spiel. Man kann die Heldin zwar frei nach links und rechts bewegen, aber in die Tiefe, also nach oben, kann man nur an bestimmten Punkten gehen. An festen Punkten im Level finden sich kleine Pfeile am Boden und sobald man die berührt, läuft Daniela in gerader Linie nach oben, bis sie auf ein Hindernis trifft. Von der Linie abzuweichen oder gar wieder nach unten zu laufen ist nicht möglich. Diese Kernmechanik hat man schnell verinnerlicht, aber dabei bleibt es natürlich nicht. Je höher man kommt desto mehr Hürden versperren den Weg zum Ausgang. Zum einen tauchen regelmäßig neue Gegnertypen auf, wie etwa Scharfschützen oder flinke Nahkämpfer. Zum anderen wollen später auch noch Sicherheitsanlagen wie automatische Geschütze, Laserbarrieren oder Kameras überwunden werden. Und genau wie einst John McClane macht sich auch Daniela die Lüftungsschächte zunutze.

screenshot dancop scrubby squirrel hohoho
screenshot dancop scrubby squirrel rotlicht
screenshot dancop scrubby squirrel laufband
screenshot dancop scrubby squirrel turret
screenshot dancop scrubby squirrel oben

Durch das Leveldesign und diese spezielle Mechanik lassen sich Fehler nur selten korrigieren. Es ist also kaum möglich, eine Etage auf Anhieb sicher zu durchqueren. Stattdessen muss man sich Stück für Stück und Tod für Tod den Fortschritt erarbeiten bis man irgendwann den korrekten Weg durch die feindlichen Reihen gefunden hat. Schafft man es dann endlich sich fehlerfrei durch das Labyrinth aus Gegnern und Fallen zu manövrieren, dann ist die Genugtuung natürlich umso größer. Zum Glück kann man auch schon im Bruchteil einer Sekunde den nächsten Versuch wagen und bei besonders vielen Fehlversuchen bekommt man sogar unendlich Munition spendiert. Letztendlich erfordert diese berüchtigte Schleife aus Versuch und Irrtum aber trotzdem eine gewisse Frustresistenz beim Spieler. Wer also eher wenig Geduld hat und sich über virtuelle Tode schnell ärgert, der sollte Daniela lieber gleich einen Korb geben. Wem es hingegen nicht schwer genug sein kann, der kann auch noch versteckte Medaillen suchen, Zeitlimits knacken oder den Pazifisten spielen.

Trotz der ungewöhnlichen Aufmachung ist DanCop letztlich doch ein Puzzler und nichts anderes sollte man erwarten. In ein paar Etagen wollte ich zwar auch mal in die Tastatur beißen und etwas mehr Story hätte ich mir auch gewünscht, aber für Knobel-Fans ist es dennoch ein empfehlenswerter Indie-Snack.

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