teaser medal of honor 2010 sMedal of Honor war mal eines der stärksten Brands von Electronic Arts, aber nachdem man versuchte, die Serie jährlich zu melken, blieben die ursprünglich so guten Verkaufszahlen aus und so gönnte man der Serie eine kleine Pause. Doch statt sich auf die Stärken zu besinnen, schielte man in EAs Chefetage neidisch auf Activision und ihr Call of Duty.

Statt der Wehrmacht sind nun also Taliban und Co. die Bösewichte und das Gameplay ist noch linearer also vorher schon. Damit hätte ich ja vielleicht sogar noch Leben können, aber irgendwie hat es Danger Close (ehemals EA LA und inzwischen leider aufgelöst) auch noch geschafft, die Schießereien völlig zu verhunzen. Dass die KI kaum mehr als Kanonenfutter ist, war ja zu erwarten, aber wenn sich das Waffenhandling und das Trefferfeedback dann auch noch so völlig unbefriedigend anfühlt, was bleibt dann noch?

Fotos erinnern die Taliban daran, wofür sie kämpfen: Ziegen und bärtige Männer

Fotos erinnern die Taliban daran, wofür sie kämpfen: Ziegen und bärtige Männer

Die Story vielleicht? Nein, ganz sicher nicht, denn die ist sogar noch uninteressanter als in den Call of Dutys. Es geht um US-Soldaten die in Afghanistan halt so Soldaten-Sachen machen und dabei ca. 10000 Taliban niedermetzeln und mit Hilfe der Luftunterstützung noch unzählige Panzer und Geschütze zerlegen. Die Handlung springt immer wieder zwischen verschiedenen Einheiten bzw. Protagonisten hin und her, aber selbst wenn sie das nicht täte, würde man wohl kaum eine Bindung zu diesen Figuren aufbauen. Sie haben zwar so klangvolle Namen wie Voodoo oder Preacher, aber da man eigentlich die ganze Zeit nur pseudocooles Army-Gebrabbel zu hören bekommt, war mir sehr schnell sehr egal, wer nun wer war und was wir eigentlich da in den Bergen und Tälern Afghanistans machten.

I wear my sunglasses at night!

I wear my sunglasses at night!

Versteht mich nicht falsch, ich finde Military-Games mit entsprechendem Sprachgebrauch gar nicht schlecht (Insurgency oder Full Spectrum Warrior z.B.), aber dieser realistische Anspruch muss sich dann auch im Gameplay widerspiegeln und das ist hier eben ganz und gar nicht der Fall. Es ist eine simple Schießbude, die weder eure Reflexe noch euer Hirn auch nur ansatzweise fordert. Nicht mal auf die Munition müsst ihr achten, weil ihr jederzeit von euren unsterblichen Kameraden neue bekommen könnt. Lediglich die Stealth-Light Missionen deuten ein wenig an, wie daraus ein gutes Spiel hätte werden können. Call of Duty hat in der Regel auch keinerlei Anspruch, aber das reine Schießen macht dort wenigstens ein bisschen Spaß und dessen obligatorische Hatz von einem Setpiece zum nächsten liefert immerhin hier und da auch mal etwas fürs Auge. Der Multiplayer kopiert übrigens ebenfalls mit mäßigem Erfolg CoD und ist mittlerweile ziemlich ausgestorben.

Per Soflam markiert ihr wehrlose Ziele, super aufre.. *zzz*

Per Soflam markiert ihr wehrlose Ziele, super aufre.. *zzz*

Obwohl die Kampagne nur rund 5 Stunden dauert, wünsche ich mir jetzt doch ein wenig meine Lebenszeit zurück, aber immerhin verstehe ich jetzt etwas besser, warum EA die Marke für unbestimmte Zeit in den Ruhestand geschickt hat. Vielleicht sollte ich eine kleine Zeitreise machen und mal Pacific Assault einwerfen oder ich entstaube die Wii und gebe mal MoH Vanguard eine Chance. Viel schlimmer kann es ja eigentlich nicht werden…

Entwickler: Danger Close | Publisher: EA
Genre: Shooter / Military | Plattform: PC / PS3 / Xbox 360 | Release: 2010

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