Nur noch wenige Monate und dann kann Polygonien bereits seinen dritten Geburtstag feiern. Dass ich so lange durchhalten würde, das hatte ich mir eigentlich gar nicht zugetraut, weil ich in der Regel doch recht schnell wieder alles hinschmeiße, wenn es nicht schnell genug erste Erfolgserlebnisse gibt. Doch irgendwie habe ich mich neben dem Stress des realen Lebens und trotz sehr besch… eidener Besucherzahlen immer wieder mal zum Schreiben motivieren oder wenigstens zwingen können.

Wenn ich so zurückdenke, dann war diese Anfangsphase damals auch die bis heute stärkste Phase meiner Blogger-Karriere. Zu jener Zeit schaute ich bei einer Vielzahl von anderen Blogs vorbei und einige von denen warfen dann auch immer mal wieder einen Blick auf Polygonien. Man kommentierte, unterhielt sich und es stellte sich sogar ein kleines Gemeinschaftsgefühl ein. Doch mit der Zeit sind nicht nur die Besuche und die Gespräche seltener geworden, sondern die ganze Gruppe schrumpfte nach und nach zusammen. Die Gründe dafür sind sicher so vielfältig wie die Blogs selbst, aber ich hab mir trotzdem mal die Mühe gemacht, die alten Weggefährten herauszusuchen und mal eine kleine Auswertung vorzunehmen.

Ich habe insgesamt 18 Blogs ausgesucht, die ich seit meiner Anfangszeit kenne und sie mal wieder besucht. Anschließend habe ich sie in drei Kategorien einsortiert und das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:

Aktiv: 4

Nur 4 (!) Blogs sind bis heute aktiv und regelmäßig mit Gaming beschäftigt. Allen voran ist das der gute Jens mit Gameexperience, der alle 1-2 Wochen sehr ausführliche Artikel zu seinen Spielerlebnissen postet. Auch Sascha von Phinphins ist etwa jede Woche aktiv und hat regelmäßig was zu Games zu sagen. Die Christine von totallygamergirl ist ebenfalls noch fleißig, postet allerdings auch fast nur noch News. Eigentlich schon tot geglaubt hat sich in diesem Jahr außerdem der Redmaker zurückgemeldet und das Blog-Projekt #gamephilephoto gestartet.

Selten aktiv oder nur selten Gaming-Content: 8

Diese Kategorie fällt mit immerhin 8 Websites am größten aus und beinhaltet die folgenden Blogs: Akais-Laberecke (aktiv, kein Gaming mehr), Bastis Pixelpinata (letzter Post Juni ’14), Erics RetroStage (nur 8 Posts in 2014), nerdgold (aktiv, aber vornehmlich Netz- & Geek-Kultur), PJ’s jstyle (letzter Post August ’14), Sebastian von howiseeit (aktiv, aber vornehmlich non-Gaming), Silent Protagonist (sporadisch aktiv, aber viel non-Gaming), Sven von nesnev (aktiv, aber wenig Gaming).

Tote Blogs: 6

Ein Drittel der Blogs ist mittlerweile vom Netz verschwunden oder wird nicht mehr aktualisiert. Gar nicht wenig und leider gehören dazu nicht nur Seiten, die in der besonders schweren Anfangsphase die Segel strichen. Ganz besonders traurig finde ich, dass Pietro und sein Team ihr gemütliches CouchCastle offenbar in den Keller verfrachtet haben, denn dort hat sich seit Mai 2014 nichts mehr getan. Ebenso überraschend kam das offizielle aus der Lanipage von Andreas, der vor wenigen Wochen entnervt aufgegeben hat. Schade ist es außerdem um Bens (selbst Spieleentwickler) Voodoobenshee († Nov. 13), Marcels GameandPhilosophy († Feb. 14), Chris‘ Online-Leben († März 14, macht nun YT) und Dominiks Spielequark (offline, † 2012).

Natürlich habe ich seit damals auch noch ein paar neue Gaming-Blogs kennengelernt, aber insgesamt hat die Zahl der Blogger doch deutlich abgenommen. Doch woran liegt das? Sind die Blogger selbst schuld oder liegt es vielleicht doch am Bloggen selbst oder an der aktuellen Netzkultur? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, dass sich das Surfverhalten der Gamer inzwischen stark gewandelt hat und das Interesse an Texten übers Gaming schwindet. PewDiePie und Konsorten stellen hingegen regelmäßig neue Rekorde auf und bestimmen zum Teil fast im Alleingang über den Erfolg eines Spiels, weil ihnen ihre Zuschauerschaft offenbar blind vertraut, während man etablierte (Online-)Magazine wie die CVG (nach über 30 Jahren) eingestellt hat. Das ist nachvollziehbar, denn ein Medium wie Videospiele lässt sich eben mit bewegten Bildern sehr gut (oder gar perfekt?) präsentieren. Was mir jedoch etwas Sorge bereitet, das ist die Tatsache, dass es bei den meisten Kanälen weniger um das Spiel und vornehmlich um die Person geht. Nicht Fachwissen, interessante Meinungen oder gut produzierte Videos sind wichtig, sondern wie viel Blödsinn man in ein Video quetschen kann. Die Zahl der (erzwungenen) Lacher ist allem Anschein nach direkt Proportional zu den Klickzahlen.

Das muss ich wohl einfach so akzeptieren, denn wenn die Leute über etwas lachen, dann teilen sie das am ehesten mit anderen und es ist ja offenbar überall in unserer Gesellschaft so, dass Erfolg nur davon abhängt, wie viel Lärm man um sich selbst machen kann. Können, Wissen und Anspruch sind da eher weniger gefragt, was sich auch gerade wieder bei den RocketBeans (GameOne, Ex-Giga Games TV) zeigt. Die mussten nämlich auf Youtube um Spenden bitten, weil sie trotz 130k Abos, einer TV-Show und vielen Jahren in der Gamesbranche kaum Geld mit ihren (nicht immer, aber immer wieder interessanten) Inhalten verdienen, während PewDiePie mehrere Millionen Dollar pro Jahr verdient indem er wie ein Kind herumschreit und damit seine vornehmlich minderjährigen Fans unterhält.

Wenn ich ehrlich bin, dann lässt diese Entwicklung auch mich langsam an meinem Blog zweifeln und ich stelle mir immer öfter die Frage, wozu ich mir eigentlich die Mühe mache. Ich habe nie erwartet, mit Polygonien Geld zu verdienen und mir ist auch klar, dass es im Netz weitaus bessere Texte zu unserem Hobby gibt, aber ich hatte schon gehofft, zumindest dem einen oder anderen Indie-Entwickler im harten Kampf um die Aufmerksamkeit der Spieler helfen zu können. Schaue ich mir jedoch meine Statistiken an, dann habe ich eigentlich selbst dieses bescheidene Ziel verfehlt und ich sehe auch wenig Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Liegt es an den Themen? Muss ich mehr für Google tun oder sind es am Ende doch die Texte selbst? Ich hab keine Ahnung und nach fast drei Jahren des Bloggens bin ich wohl auch einfach etwas müde.

Getaggt mit: bloggen, gedankenspiel, netzkultur, schreiben, youtube