Super Metroid + Rogue-like = WIN | A Robot Named Fight! im Test

Mit dem gerade veröffentlichten Metroid: Samus Returns nähert sich Nintendo, wenn auch nur zögerlich, wieder den Wurzeln seiner Erfolgsserie an. Die Fans wussten hingegen schon immer, was sie an den klassischen Metroids hatten. Entsprechend groß war daher auch die Freude, als 2015 erst Axiom Verge und Jahr darauf dann Another Metroid 2 Remake ihr Verlangen stillten, wenn auch nur inoffiziell. Und in diese Fußstapfen tritt nun auch Matt Bitners A Robot Named Fight, das die bewährte Formel von Super Metroid und Rogue-like-Elemente zu einem fesselnden Metroidvania vermengt.

Wie der Name schon erahnen lässt, verbirgt sich – anders als bei Metroids Samus Aran – hinter der Panzerung des Helden in A Robot Named Fight nicht etwa ein Mensch, sondern nur noch mehr Metall. Die Menschheit wurde schon vor langer Zeit ausradiert und die Roboter übernahmen die Herrschaft über die Erde. Doch auch für die scheint nun das Ende nah, denn ein monströses Gebilde aus Fleisch und Gewebe verdunkelt den Himmel und bombardiert die Erde mit seiner abscheulichen Brut. Für die Maschinen geht es also ums Überleben und eine davon seid ihr. Als gesichtsloser Blechkamerad stellt ihr euch tapfer der biologischen Apokalypse entgegen und versucht, das Megabeast getaufte Monstrum vom Himmel zu holen.

Bevor ihr das tun könnt braucht ihr aber die nötige Ausrüstung und die holt ihr euch Genre-typisch erst nach und nach. Angefangen bei den Roboterstädten über Fabriken bis hin zu Höhlen und Ruinen früherer Zivilisationen erstreckt sich ein umfangreiches Netz aus Räumen und Gängen, die es zu erkunden gilt. Der Aufbau ist dabei immer wieder anders, denn bei jedem Spielbeginn wird für euch die Welt neu generiert. Zwar greift das Spiel dazu immer wieder auf die zuvor genannten Areale zurück, aber die genaue Anordnung der Räume ist immer wieder eine andere.


Welchen Bossgegnern ihr begegnet und wo diese auf euch lauern ist genauso dem Zufall überlassen wie die Ausrüstung, die ihr finden könnt. Sicher ist nur, dass ihr pro Durchgang vier Bosse besiegen müsst, wenn ihr dem Megabeast gegenübertreten und die Welt retten wollt. Ob monströser Riesenwurm, fliegender Fleischklumpen oder haushoher Cyborg, jeder von ihnen hat eigene Angriffsmuster und manche verfügen gar über mehrere Formen, sodass ihr euch immer etwas anpassen müsst, statt einfach nur blind drauf zu halten. So richtig komplex ist zwar trotzdem keiner der Bosse, aber angesichts der Permadeath-Mechanik ist das wohl auch besser so. Ist einer von ihnen schließlich zu Fall gebracht worden, hinterlässt er euch für gewöhnlich ein wertvolles Ausrüstungsteil, das euch neue Routen eröffnet.

Doch die Bosse sind natürlich nicht die einzige Herausforderung, denn auch die Wege zwischen den Bosskämpfen sind voll von kleineren Sprösslingen des Megabeast, die nur darauf warten, euch zu zerlegen. Und im Gegensatz zu den Bossen taucht das Kleinvieh auch immer wieder neu auf, wenn ihr einen Raum betretet. Doch die Monster sind nicht nur eine ständige Gefahr für euch, sondern hin und wieder auch ganz nützlich. Mit etwas Glück hinterlassen sie euch nämlich Lebensenergie, Munition oder Mikrochips. Letztere könnt ihr in Kombination mit Artefakten, die überall versteckt sind, bei drei verschiedenen Roboter-Kollegen gegen neue Ausrüstung eintauschen. Das Angebot reicht dabei von Karten der Umgebung über fliegende Helfer und neue Waffen bis hin zu speziellen Rüstungen und Upgrades.


Da die Story im Grunde nur im Intro und im Abspann stattfindet, muss eben jene Jagd nach versteckten Boni und immer besserer Ausrüstung als Motivation herhalten. Das funktioniert zum Glück auch recht gut, denn an fast jeder Ecke warten zerstörbare Wände mit Bonus-Items darauf, euch ein kleines Bisschen stärker zu machen oder dem ersehnten Händler-Item näher zu bringen. Und es fühlt sich einfach großartig an, wenn man die schwierige Anfangsphase gemeistert hat und endlich mit großen Energieleisten nebst fettem Arsenal zurückschlagen kann.

Zu sorglos sollte man aber auch dann nicht werden, denn gerade im letzten Areal werden die Gegner noch mal spürbar aggressiver und heimtückischer. Wer dann nicht voll konzentriert ist und sich von der neu gewonnenen Power blenden lässt, der wird auch von den vermeintlich einfachen Gegnern schnell übermannt. Dann kann euch nur noch eine Speicherstation vor dem kompletten Neustart retten. Davon gibt es aber nur maximal drei Stück und da diese nach eurer Wiederbelebung zerstört werden, solltet ihr euch die Rambo-Taktik lieber zweimal überlegen. Bei aller Vorsicht gehört das Sterben aber natürlich auch zum Spiel und da ein Durchgang maximal 2 Stunden dauert, lässt sich auch das Game Over verschmerzen. Vor allem, weil man selbst bei einer Niederlage noch etwas für die späteren Durchgänge freischalten kann.


Auch bei der Optik sind die Einflüsse des großen Vorbilds Super Metroid deutlich zu sehen, allerdings präsentiert sich A Robot Named Fight längst nicht so düster wie der SNES-Klassiker. Genau wie Axiom Verge kommt es dem Stil seiner Vorlage recht nah, ohne sich jedoch komplett den Limitierungen zu unterwerfen, die damals das Grafikdesign bestimmten. Und das ist auch gut so, denn auf die Art kommen wir in den Genuss von noch mehr Details, komplexeren Hintergründen und nicht zuletzt ganzen Horden von Monstern, die so wohl kaum auf dem SNES möglich gewesen wären. Das Sahnehäubchen bildet schließlich der fetzige Soundtrack, der Stimmung macht und nicht so schnell wieder aus dem Kopf zu kriegen ist.

Fazit
Ich muss zugeben, dass ich mir aus Metroid nie wirklich viel gemacht habe. Trotzdem hat mich A Robot Named Fight! sofort in seinen Bann gezogen und ich glaube, dass es so manch echtem Metroid-Fan auch so gehen dürfte. Klar, viele werden sich weder mit Permadeath und zufällig angeordneten Arealen noch mit der kaum vorhandenen Story anfreunden können, aber wer sich daran nicht stört, der wird von dieser cleveren Neuinterpretation des klassischen Metroid-Konzepts nicht so schnell loskommen.

PS: Obwohl sich das Spiel schon ziemlich rund und komplett anfühlt, plant Matt Bitner bereits kostenlose Content-Updates, die das Spiel auch über die nächsten Monate hinweg interessant halten dürften.


About Poly

Roberto (aka Poly) hat Polygonien 2012 gegründet, weil er der Indie-Szene etwas zurückgeben und auf die vielen Perlen aufmerksam machen wollte. Er ist mit dem Mega Drive aufgewachsen, hält den Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten und besitzt viel zu viele Videospiele. Er ist Co-Admin von Sega-DC.de, schreibt Gast-Artikel für befreundete Games-Blogs und hilft auf Buy Some Indie Games aus.

One Comment

  1. Kartodis

    / Antworten

    Wieder mal eine super Empfehlung, die direkt Lust macht, die alten Konsolen mal wieder anzuwerfen bzw. einen Emulator für das Sega Genesis zu holen. Dieses Game für 9,99 Euro, werde ich mir auf jeden Fall auch auf die Wunschliste setzen und zur gegebenen Zeit holen.


Leave Comment