Nerd-Stuff: ATARI – Game Over

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Es ist schwer zu sagen, wo die Games-Industrie heute wäre, wenn es ATARI nicht gegeben hätte. Heute ist von dem einstigen Pionier der digitalen Unterhaltung zwar nur noch der Name übrig – den man übrigens gerade mit Casino-Games und einem miesen Alone in the Dark-Sequel wiederbeleben will – ,aber gegen Ende der Siebziger war das Unternehmen der unangefochtene Herrscher der noch jungen Videospielwelt. Der Markt, um den sich heute mit Sony, Microsoft und Nintendo gleich drei große Konzerne streiten, gehörte damals quasi ganz allein ATARI, die in kurzer Zeit zum am schnellsten wachsenden US Unternehmen jener Zeit avancierten. Im Jahr 1983 folgte dann jedoch der große Spielecrash, der ATARI mehr als 500 Millionen Dollar Verlust einbrachte und damit den Anfang vom Ende markierte.

Für viele ist der Zusammenbruch ATARIs untrennbar mit einem Spiel verbunden: Howard Warshaws E.T. The Extra-Terrestrial. Der Legende nach ist es das schlechteste Spiel aller Zeiten und durch seine extrem schlechten Verkäufe der Auslöser für den großen Crash gewesen. Es war sogar so furchtbar, dass ATARI alle verbliebenen Module in einer Nacht-und-Nebel-Aktion irgendwo in der Wüste begraben hat.

Das ist jetzt gut drei Jahrzehnte her und inzwischen kann wohl kaum noch jemand genau sagen, was tatsächlich der Wahrheit entspricht und was eben doch nur Teil einer geekigen Legende ist. Die Dokumentation ATARI – Game Over geht dieser kuriosen Geschichte auf den Grund und zeigt dabei nicht nur die Suche nach den verschollenen E.T. Modulen, sondern zeichnet auch den Auf- und Abstieg ATARIs nach. Das Team spricht mit vielen Leuten, die tatsächlich dabei waren und zum Teil erstaunlich emotional von ihrer Zeit beim Kult-Konzern berichten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Howard Scott Warshaw, der zunächst Hits wie Yars‘ Revenge und Raiders of the Lost Ark entwickelte ehe er in nur 5 Wochen jenes verhängnisvolle Spiel für Steven Spielberg erschuf. Der Film begleitet ihn auf dem Weg von den Wurzeln seiner Zeit bei ATARI bis hin zu dem Moment, wo das erste Modul aus dem staubigen Boden Alamogordos geholt wird und er endlich mit diesem turbulenten Teil seines Lebens abschließen kann.

ATARI – Game Over entstand im Rahmen von Microsofts neuer Xbox Live Video-Offensive, die exklusiven Videocontent für Xbox Live-Nutzer produzieren soll und ist darum bislang auch nur für Xbox-Nutzer verfügbar. Untertitel oder gar eine Vertonung in deutscher Sprache gibt es leider nicht, aber dafür könnt ihr die rund einstündige Doku völlig kostenlos (also auch ohne Gold-Abo) auf eurer Konsole schauen. Was ihr an inhaltlicher Tiefe fehlt, macht die Doku mit einer überraschenden Portion Emotionalität und einer guten Dramaturgie wieder wett, sodass ich sie jedem Besitzer einer Xbox 360 oder Xbox One nur empfehlen kann. Wenn Microsoft das Niveau halten und regelmäßig nachlegen kann, dann könnten sich die Xbox Originals Videoproduktionen zu einem echten Pluspunkt im harten Kampf gegen Sony entwickeln.
Update: Inzwischen ist die Doku u.a. auch via Netflix verfügbar.


About Poly

Roberto (aka Poly) hat Polygonien 2012 gegründet, weil er der Indie-Szene etwas zurückgeben und auf die vielen Perlen aufmerksam machen wollte. Er ist mit dem Mega Drive aufgewachsen, hält den Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten und besitzt viel zu viele Videospiele. Er ist Co-Admin von Sega-DC.de, schreibt Gast-Artikel für befreundete Games-Blogs und hilft auf Buy Some Indie Games aus.

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