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Indie Review / Test

KAPIA: Revolution, Hausarrest und Katzen-Mechs

Dass ein Indie-Team nur aus zwei Personen besteht, ist nicht ungewöhnlich. Wenn die beiden wie im Fall von 2FOR2 auch noch seit Jahren verheiratet sind, ist das hingegen schon etwas Besonderes. Gut fünf Jahre haben Anna und Pavel Antonov Hand in Hand an ihrem Herzensprojekt KAPIA gearbeitet. Das Ergebnis wird vermutlich kein Adventure-Imperium begründen wie einst bei Roberta und Ken Williams, aber ein gelungenes Debüt ist es allemal.

Passenderweise gibt es auch in KAPIA nicht nur eine, sondern gleich zwei Hauptfiguren, die wir abwechselnd durch das Adventure begleiten. Zum einen die kleine Waise Reny und zum anderen ihren geliebten Großvater Stefan. Die beiden Leben in einer eigentlich eher düsteren Zukunftsvision, in der ein großer Krieg zwischen Ost und West den Planeten in eine unwirtliche Eiswüste verwandelt und die Menschen in sogenannte Domes gezwängt hat. Eines Tages macht Stefan eine geheime Expedition in die Außenwelt, um nach einem Artefakt zu suchen, das womöglich endlich für Frieden sorgen könnte. Bei seiner Rückkehr wird jedoch klar, dass es auch andere in die Finger bekommen wollen.

Trotz dieser Prämisse präsentiert sich KAPIA aber die meiste Zeit als ein ausgesprochen heiteres, zuweilen fast schon etwas kindliches Abenteuer. Das liegt natürlich vor allem daran, dass man die Hälfte der Zeit eben auch ein Kind spielt, aber auch die Spielwelt erscheint dann doch nicht so ernst wie es der übergeordnete Plot zunächst vermuten lässt. Ganz im Stile der Vorbilder wie Grim Fandango oder Syberia trifft man ständig auf etwas schrullige oder wirklich skurrile Figuren. Ein Großteil der Bevölkerung besteht beispielsweise aus Robotern, die zwar alle verschiedene Persönlichkeiten haben, aber offenbar alle auf dem gleichen Modell basieren. Einige demonstrieren auf der Straße, andere Lästern über ihre Kameraden und deren „Jobs“, und sie alle sehen ein wenig so aus als hätte sie ein Kind entworfen. Gleichzeitig gibt es aber noch viel verrücktere Gestalten unter der gläsernen Kuppel des Domes. So versperrt uns u.a. recht früh im Spiel eine Katze in einem mechanischen Anzug den Weg und überall hängen große, metallene Augen, vor denen kaum etwas verborgen bleibt. Das ganze Design ist ein eigenwilliger, aber gelungener Stilmix aus Steam-Punk, Retro-Science-Fiction und 3D-Animation à la Pixar.

Auch spielerisch bleibt KAPIA die allermeiste Zeit ziemlich unbeschwert, könnte man sagen. Man hangelt sich sehr linear und ohne große Umschweife von einer kleinen Hürde zur nächsten und unterwegs gibt es wenig, das einen ins Stolpern bringen könnte. Die Lösungen für die kleinen Knobelaufgaben sind immer in unmittelbarer Nähe zu finden und auch die mühsame Suche nach Objekten usw. entfällt größtenteils, weil man sich per Tastendruck alle wichtigen Punkte innerhalb einer Szene anzeigen lassen kann. Ob man nun mit Hilfe eines Computers und einigen Ventilen das Wassersystem manipuliert, eine Roboter-Katze mit einem versteckten Hinweis umprogrammiert oder einfach nur in einer Bar den Kellner mimt, der nächste Schritt ist eigentlich immer relativ naheliegend. Das hat zur Folge, dass man leider nie diese Momente hat, in denen man sich so richtig clever fühlt, weil man endlich die Lösung gefunden hat, aber andererseits gibt es dem Spiel dafür auch einen angenehmen Flow.

KAPIA ist sicher nicht die Art Adventure, bei der man abends im Bett noch wegen eines Puzzles grübelt oder sich ausmalt, wie die Story weitergehen könnte. Dafür bleibt es einfach in vielerlei Hinsicht etwas zu trivial und vorhersehbar. Trotzdem ist unübersehbar, dass es mit viel Liebe gemacht wurde und es ist genau richtig, wenn man einfach mal ein oder zwei sehr entspannte Adventure-Abende verleben will.

Plattform: PC (Konsolen + Mac/Linux geplant)
Release: 25. Februar 2022
Entwickler: 2 FOR 2
Publisher: 2 FOR 2
Genre: 3D-Adventure, Point & Click, Family-friendly
Preis: ab 19,99 €
Meine Spielzeit: ca. 6h

Website | Steam | GOG | Trailer

*Ich habe für diesen Text einen Review-Key erhalten.

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