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Hell Let Loose: V 1.0 – Bereit für den Marschbefehl?

Wer meine Texte über Red Orchestra 2 oder Day of Infamy gelesen hat, der weiß, dass ich eine große Schwäche für Weltkriegs-Shooter mit starkem Fokus auf Teamplay und Realismus habe. Eine Nische, die in den letzten paar Jahren vornehmlich von zwei Titeln am Leben gehalten wurde: Post Scriptum und Hell Let Loose. Mancher mag jetzt vielleicht laut nach Battlefield V rufen, aber sind wir doch mal ehrlich. Insbesondere die moderneren Battlefields sind eher Arcade-Shooter und die Koordination mit anderen spielt kaum eine Rolle. Eine Tatsache, die jetzt so einigen Spieler*innen mit einer gehörigen Portion Frust bewusst werden dürfte, nachdem sie sich von dem jüngst veröffentlichten 1.0 Update auf die gnadenlosen Schlachtfelder von Hell Let Loose haben locken lassen. Nach gut zwei Jahren im Early Access ist das Spiel von Black Matter und Team17 nämlich endlich bereit für den „richtigen“ Launch und es könnte alles so schön sein.

Hell Let Loose hat alles, was ich mir von einem anspruchsvollen Weltkriegs-Shooter wünschen könnte. Die detailgetreue Umsetzung der historischen Schauplätze Europas und die brachiale Soundkulisse sind dabei fast Nebensächlichkeiten. Auf den riesigen Karten ringen 100 Spieler*innen verteilt auf zwei Seiten um die Kontrolle über verschiedene Areale. Die Teams sind dabei in Units aus bis zu sechs Soldaten unterteilt und innerhalb dieser Gruppe können Spieler*innen aus insgesamt acht Rollen wählen. Bis auf den einfachen Schützen sind dabei alle Rollen in ihrer Anzahl begrenzt und jede davon hat Fähigkeiten und Aufgaben, die für den Erfolg der Unit entscheidend sind. Neben bekannten Rollen wie dem Medic oder dem Machine Gunner gibt es in jeder Einheit auch immer einen Officer, der seine Mitspieler*innen via Voice-Chat und Ingame-Kommandos koordinieren soll. Zu seinen Aufgaben zählt aber auch, an strategisch sinnvollen Stellen Spawnpunkte zu platzieren und sich mit anderen Units abzusprechen. Über den Officers steht außerdem noch der Commander, der nicht nur die Marschrichtung vorgibt sondern u.a. auch Luftschläge ordert, Panzer platziert und mit Hilfe der Officers weitere Spawnpunkte aufbaut. Nur wenn all diese verschiedenen Spieler*innen sich ihrer Aufgaben bewusst sind und gezielt zusammenarbeiten, kommt das Team voran. Als Einzelgänger wird einem schnell die Lust am Spiel vergehen, denn die Karte ist wirklich riesig und wer planlos vorgeht, stirbt tausend Tode, ohne auch nur gesehen zu haben, wer da geschossen hat. Die Respawnzeiten sind relativ lang und ohne Teamplay dauert der Weg zur Front schon bald eine kleine Ewigkeit. Viele Server verlangen daher auch explizit den Gebrauch des Mikrofons in ihren Regeln und werfen „stumme“ Spieler*innen zum Teil sogar aus dem Spiel. Wenn man aber mal eine Partie erwischt, in der alle ihre Rolle spielen und sich auch verbal abstimmen, dann entsteht ein intensives, packendes und befriedigendes Spielgefühl, das so nur ganz wenige Multiplayer-Shooter erschaffen können. In manchen Momenten erinnert es mich in seiner Intensität sogar etwas an meine DayZ-Zeit.

Leider hat das Spiel derzeit aber auch noch etwas, das all die positiven Dinge wertlos macht: teils unerträgliche Performance-Probleme. Man sollte meinen, dass gerade die technische Seite eines Spiels mehr oder weniger einwandfrei funktioniert, wenn das Entwickler-Studio die Early Access-Phase offiziell für beendet erklärt. Für mich und eine Vielzahl anderer Spieler*innen ist das aber definitiv nicht der Fall. Selbst Systeme, die weit über den empfohlenen Hardware-Anforderungen liegen, haben häufig mit enorm schwankenden Bildraten zu kämpfen und als würde das noch nicht reichen, gibt es obendrein auch endlose Mikroruckler, die u.a. dann auftreten, wenn man die Waffe anlegt und über Kimme und Korn bzw. Scope auf einen Gegner zielen will. Ob verschiedene Treiber-Versionen, zusätzliche Launch-Parameter aus dem Forum oder die radikale Reduzierung aller Grafikdetails, nichts brachte wirklich gut spielbare Performance. Ein Problem, das sich offenbar schon seit mehreren Updates eher noch zu verschlimmern scheint, wenn man den Steam-Foren glauben darf. Das darf bei der offiziellen Version 1.0 einfach nicht mehr sein, obgleich ich auch erwähnen muss, dass diese Probleme offenbar längst nicht alle Spieler*innen betreffen und viele auch berichten, dass es bei ihnen einwandfrei läuft.

Für mich sind die Performance-Probleme jedenfalls derart gravierend, dass ich es erst wieder spielen werde, wenn hier nachgebessert wurde. Und das ist wirklich extrem schade, denn ich habe keinen Zweifel, dass Hell Let Loose ohne diese technischen Probleme einer der besten Weltkriegs-Shooter ist, die ich bisher gespielt habe. Die Entwicklung ist mit dem Release der Version 1.0 jedoch auch noch längst nicht für beendet erklärt worden. Es gibt eine umfangreiche Roadmap, die bis ins nächste Jahr reicht und neue Spielmodi, Karten und Verbesserungen verspricht. Ich bin daher zuversichtlich, dass ich in naher Zukunft noch viel Spaß damit haben werde.

Plattform: PC
Release: 27. Juli 2021
Entwickler: Black Matter / Team17
Publisher: Team17
Genre: Tactical Online Shooter, World War 2, First-Person
Preis: ab 39,99 €
Website | Steam | Humble

https://www.youtube.com/watch?v=S3hLu58KXg8

*Mir wurde für diesen Text ein Presse-Key zur Verfügung gestellt

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