Bunte Klötzchen und fliegende Aquarien – Stacks On Stacks (On Stacks)

Bei Stacks On Stacks (On Stacks) sagt der Name schon fast alles, was man wissen muss. Es ist eine gleichermaßen knallbunte wie skurrile Neuinterpretation des klassischen Stapel-Puzzlers, wie er uns in Form von Tetris, BlockOut & Co. schon seit den 80ern begleitet. Solo-Entwickler Ian Sundstrom holt das Ganze in die dritte Dimension und lässt einen so lange Klötzchen in allen Größen stapeln bis man eine bestimmte Höhe erreicht hat oder die wackelige Konstruktion in sich zusammenbricht. Die Klötze erinnern in Form und Farbe stark an das Holzspielzeug von Kleinkindern. Komplexere Formen sind eher selten und altbekannte Steine wie das L oder das Z aus Tetris gibt es gar nicht. Für die echten Probleme beim Turmbau sorgt hier vor allem ein kleiner Spezialstein. Dieser Zauberwürfel hält auf jeder seiner sechs Seiten eine absurde Überraschung bereit, die einem ganz schnell die Baupläne zunichte machen kann.

Manchmal muss man plötzlich eine Quiz-Frage beantworten und die Antworten fallen in Form eines Steins herab. Bei korrekter Antwort regnet es dann fette Geldbündel. Oder das Spiel verwandelt sich für einen kurzen Moment in einen 3D-Plattformer, in dem man mit einem Frosch Münzen einsammelt, die rund um den Turm verteilt sind. Noch viel absurder – und hinderlicher – wird es, wenn auf einmal Aquarien, Gemälde oder Urinale statt der gewohnten Blöcke vom Himmel fallen.

Obendrein gibt es je nach Level auch immer wieder ein anderes Fundament für den Turm, was schon den Start ziemlich knifflig machen kann, denn jeder Stein, der außerhalb dieser Fläche zu Boden geht, kostet ein kostbares Leben. Manchmal ist die Fläche nur verkleinert oder sie besteht aus drei mal drei kleinen Feldern, aber das ist noch harmlos. In anderen Levels gibt es gleich zwei Fundamente, die einander wie eine Waage beeinflussen. Manchmal besteht es wiederum aus Treibsand, in dem der Turm kontinuierlich versinkt. Oder noch schlimmer, es ist schräg und man muss sich erst mühsam mit den Steinen ein halbwegs planes Fundament basteln.


Plattform: PC, Stadia (Switch, PS4 geplant)
Release: 01. April 2020
Entwickler: Herringbone Games
Publisher: Herringbone Games
Genre: (Stapel-)Puzzler, Physics, Casual
Meine Spielzeit: ca. 4h
Preis: 10,79 €
Website | Steam

Auch bei den Zielen gibt es mehr als nur die eine Variante. So muss man in einigen Missionen nicht eine bestimmte Höhe erreichen, sondern eine vorgegebene Zahl an Steinen auf begrenzter Fläche unterbringen, ohne dabei eine Maximalhöhe zu überschreiten. An anderer Stelle bekämpft man mit den Steinen Unkraut, das als Saatgut vom Himmel fällt und am Wachsen gehindert werden muss. An der grundlegenden Mechanik mag das zwar gar nicht so viel ändern, aber diese Ideen sorgen in angenehmer Regelmäßigkeit für frischen Wind. Und wer es eher traditionell mag, der kann auch im Arcade-Modus auf Highscore-Jagd gehen.

Was mich hingegen doch etwas geärgert hat, ist der Umstand, dass man im direkten Vergleich leider deutlich mehr vom Glück abhängig ist als bei den Klassikern. Gerade der Zauberstein mit seinen Spezialereignissen kann einem schnell eine Partie zunichte machen, wenn man einfach Pech hat. In den meisten Missionen kann man das zwar etwas kompensieren, aber kurz vor Ende wird es dann schon echt hart, weil ab einer bestimmten Höhe schon allein die Balance zur Herausforderung wird. Was ich nicht unbedingt erwartet hatte, da sich die Aufmachung des Spiels ganz klar an Kinder richtet. Und zwar so sehr, dass sie so manch älteren Spieler sicher abschrecken wird. Nicht zuletzt für die Kids hat Sundstrom aber auch einen Unsterblichkeitsmodus eingebaut, bei dem man nicht mehr bestraft wird, wenn mal ein Stein daneben geht. Die Fallgeschwindigkeit der Steine lässt sich ebenfalls ändern. Und auch an Mehrspieler-Optionen hat er gedacht. Im Koop-Modus wird es zwar nicht unbedingt leichter, aber auf jeden Fall sorgt er für einige Lacher. Im Versus-Modus können zwei Hobby-Architekten auch um die Wette bauen.

Wenn man von Tetris & Co. noch nicht genug hat, kann man sicher auch mit Stacks On Stacks (On Stacks) einige Stunden Spaß haben. Solange man sich nicht daran stört, dass die Aufmachung eher an eine Sendung aus dem KIKA-Vormittagsprogramm als an Tetris erinnert. Die witzigen Ideen heben es jedenfalls gut von der Konkurrenz ab, auch wenn manches davon nicht ganz zu Ende gedacht wurde.


About Poly

Roberto (aka Poly) hat Polygonien 2012 gegründet, weil er der Indie-Szene etwas zurückgeben und auf die vielen Perlen aufmerksam machen wollte. Er ist mit dem Mega Drive aufgewachsen, hält den Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten und besitzt viel zu viele Videospiele. Nebenbei ist er noch Co-Admin von Sega-DC.de und schreibt Gast-Artikel für befreundete Games-Blogs.

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