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Indie Review / Test

Indie-Review: Insurgency

Noch nie habe ich vor einem Review so viel Zeit mit einem Titel verbracht wie bei Insurgency. Eigentlich hatte ich auch gar nicht vor, über den Shooter zu schreiben, aber nachdem ich nun die stattliche Marke von 200 Spielstunden geknackt und noch immer Spaß daran habe, hat es sich sein Review wahrlich verdient.

insurgency shooter screenshot insurgent sprint

Auf den ersten Blick mag Insurgency einfach nur wie ein weiterer Online-Military-Shooter wirken, aber es ist mehr als das, denn es schafft einen nahezu perfekten Spagat zwischen Realismus und flotter Action, was es für Fans beider Shooter-Lager interessant macht. Wie schon Counter-Strike hat auch Insurgency seine Wurzeln in der Modding-Szene, aber das Team von New Worlds Interactive, dem auch ehemalige Entwickler von Red Orchestra angehören, feierte erst 2007 auf der Source Engine sein Debüt. Trotz unverkennbarer Qualitäten und einer treuen Fangemeinde dauerte es jedoch bis Anfang 2014, ehe man endlich eine kommerzielle Version veröffentlichte. Dafür hat sich das Warten aber gelohnt, denn im Vergleich zur Mod hat sich sowohl technisch als auch inhaltlich einiges getan.

Wie bei reinen Mehrspieler-Shootern üblich, wurde auf eine Story komplett verzichtet und so führen namenlose Soldaten einer privaten Sicherheitsfirma irgendwo im Nahen Osten einen Krieg gegen ebenfalls namenlose Aufständische. Nicht gerade innovativ, aber schon nach ein paar Runden verschwendet man sowieso keinen Gedanken mehr daran. Außerdem müssen Solo- bzw. Koop-Spieler trotzdem nicht auf den Kampf gegen schießwütige KI-Kameraden verzichten, denn Insurgency bietet gleich 4 passende Spielmodi. Neben dem inzwischen fast schon obligatorischen Horde-Modus, bei dem eine Stellung gegen Wellen anstürmender Bots verteidigt werden muss, sorgt hier vor allem der Checkpoint-Modus für Spannung. Dabei arbeitet sich ein Team einmal quer durch die ganze Karte und muss dabei immer wieder verschiedene Punkte einnehmen und verteidigen. Wiederbelebung und regenerierende Energie sucht man dabei jedoch vergeblich und so müssen gefallene Spieler hoffen, dass ihre übrigen Kameraden sie wieder ins Spiel holen, indem sie das nächste Ziel einnehmen.

insurgency shooter screenshot panj fire

Obwohl es zahlreiche Server nur für die Koop-Modi gibt und diese auch immer gut besucht sind, ist Insurgency am stärksten, wenn man es in den vielen kompetitiven Modi spielt. Die üblichen Deathmatch-Varianten sucht ihr dabei vergeblich und dennoch sind es insgesamt 9 verschiedene Spielmodi. Neben eher bekannten Konzepten wie Ambush, wo ihr einen VIP schützen müsst oder dem Counter-Strike-ähnlichen Elimination, sind es jedoch vor allem Push und Skirmish, die Insurgency deutlich von der Shooter-Konkurrenz abheben.

Hier kommt nämlich ein cleveres Spawn-System zum Einsatz, das die Spannung erhöht, ohne dabei den Frust beim Ableben unnötig zu verstärken. Während ihr bei Counter-Strike nach dem Bildschirmtod zum Zuschauen verdammt seid, könnt ihr hier spätestens nach etwa 30 Sekunden wieder einsteigen. Das geht jedoch nur, solange euer Team noch über Nachschubwellen verfügt. Je nach Spielmodus beginnt ein Team mal mit 3 oder auch mal mit 5 Wellen und diese Zahl lässt sich nur erhöhen, indem ihr die Spielziele erfüllt. In Skirmish müsst ihr dafür zum Beispiel einen der drei Kontrollpunkte einnehmen. Dann spawnen tote Spieler direkt und ihr erhaltet oben drauf noch eine zusätzliche Welle. Neben den drei Kontrollpunkten gibt es außerdem noch auf jeder Seite ein Waffenlager und wenn das gesprengt wird, kann das betroffene Team keine zusätzlichen Spawnwellen mehr sammeln. Wenn ihr also keinen Waffencache mehr habt oder gar eure Nachschubwellen aufgebraucht habt, hat jeder Frag bzw. gefallene Mitspieler eine ungleich höhere Bedeutung als noch zu Beginn der Runde. Etwas anders verhält es sich bei Push, wo sich ein Team von einem Kontrollpunkt zum nächsten arbeiten muss, während die andere Seite in die Rolle der Verteidiger schlüpft und für ihre vermeintlich einfachere Aufgabe ein Vielfaches der Nachschubwellen zur Verfügung hat.

insurgency shooter screenshot molotov

Die Spielregeln sind aber nur die halbe Miete und darum hat man diese ohnehin schon sehr auf Taktik und Teamplay ausgelegten Modi mit einem ebenso komplexen Gunplay kombiniert. Mit leichter und schwerer Panzerung sowie einer breiten Palette an Waffen von der Maschinenpistole über schwere Maschinengewehre bis hin zu Scharfschützengewehren ist für jeden Spielstil etwas dabei, aber damit nicht genug, durch ein Punktesystem müsst ihr genau abwägen, was ihr einpackt und was im Spind bleiben muss.

Je nach Spielsituation und gewählter Ausrüstung kann man also sowohl mit rasanten Sprints und Hipfire zur Sache gehen, als auch vorsichtig um jede Ecke spähen und sich lautlos dem Angriffsziel nähern oder einfach aus sicherer Entfernung Feuerschutz geben. Eine gute Kenntnis der Karten, die zum Teil recht groß sind und jede Menge Alternativwege und Deckung bieten, ist dabei natürlich unbezahlbar, so dass ihr besonders in den ersten Stunden doch einiges an Lehrgeld zahlen müsst. Optisch macht Insurgency trotz der inzwischen recht betagten Source-Engine auch eine recht gute Figur und wirkt dank vieler Details und netten Effekten deutlich lebendiger als das oft sterile Counter-Strike: GO.

insurgency shooter screenshot sinjar hill

Übung braucht ihr auch beim Schießen, denn ihr müsst ganz ohne Fadenkreuz auskommen und selbst wenn ihr durch Ironsights und Scopes schaut, bekommt ihr Rückschlag und Co. deutlich zu spüren. Doch Gegensatz zu Counter-Strike, wo das recht eigenwillige Waffenverhalten ohne viel Training gefühlt 90 % der Schüsse neben dem Ziel einschlagen lässt, lernt man recht schnell, seine Kugeln richtig zu platzieren. Eine große Hilfe ist dabei vor allem die Option, zwischen den verschiedenen Feuermodi zu wechseln. Im Einzelfeuer ist die Präzision natürlich am besten und in der Regel sind 1 oder 2 Treffer sowieso schon genug, um einen Spieler zu Fall zu bringen. Will man hingegen einen Raum stürmen oder den Feind mit Sperrfeuer zurückhalten, ist die Automatik die beste Wahl. Letztere ist aber wiederum nicht bei jeder Waffe vorhanden, was die Wahl nicht immer leicht macht.

insurgency shooter screenshot nightvision

All diese kleinen Dinge gilt es zu beachten und sie sorgen dafür, dass gute Reflexe allein noch keine Partie entscheiden können. Ein Minimum an Teamwork ist Pflicht und während eines Matches muss man sich immer wieder an neue Situationen anpassen, um am Ende die Oberhand zu behalten. Gerade wenn euer Nachschub erschöpft ist und es um alles oder nichts geht, schlägt einem das Herz oft bis zum Hals. Durch das Fehlen von Killmessages wisst ihr zudem nie genau, wie viele Gegner noch durch den Level schleichen und bei Schusswechseln auf große Distanz könnt ihr teils nicht mal mit Sicherheit sagen, ob eure Schüsse überhaupt ihr Ziel erreicht haben. Ihr seid also stets etwas im ungewissen und müsst Risiken eingehen, um beispielsweise eure Kameraden wieder ins Spiel zu holen oder das Spiel zu euren Gunsten zu entscheiden.

Man merkt einfach an jeder Ecke, dass die Entwickler über viele Jahre hinweg an den vielen Feinheiten des Spiels gefeilt haben und diese harte Arbeit zahlt sich aus. Die Gefechte in Insurgency sind intensiv und anspruchsvoll, ohne dabei die Spielbarkeit dem Realismus zu opfern und dieses Kunststück gelingt nur wenigen Online-Shootern. Dass sie ihr Spiel bis heute mit kostenlosen Content-Updates verbessern und die Mod-Szene fördern, ist da nur noch das Sahnehäubchen.

Publisher/Entwickler: New World Interactive | Genre: Multiplayer / Shooter / Military
Plattform: Windows / Mac (PS4 & Xbox One nicht ausgeschlossen)
Release: Januar 2014 | Pad Support: ja | Offizielle Website
Preis: ca. 15 € via Steam

Und hier ist noch mein Let’s Play mit dem erwähnten Push-Modus:

6 Antworten auf „Indie-Review: Insurgency“

Also ich komme nicht so ganz davon los, aber du meintest ja, dass dir klassischer Mehrspieler ohne besonderen Twist inzwischen zu langweilig ist 😉 Falls du deine Meinung änderst, bin ich aber gern als Flügelmann zur Stelle. Der Andreas vom Laniblog wollte das eigentlich auch noch mal mit mir spielen.

Der Andreas war auch wie verabredet am Sonntag online um eine Runde Insurgency zu zocken 😉

Habs 3-4mal angetestet (nur Bots) und lande da immer auf der gleichen Karte. Ansonsten war der erste EIndruck recht gut.

Oooops ^^
Also Koop bzw. Bot-Matches habe ich bisher auch immer nur auf Online-Servern gespielt, da gab es auch ganz normal nen Mapchange. Ich vermute, wenn du es wirklich solo/lokal spielen willst, musst du über die Konsole Bots und Maps einstellen.

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