Mein erster Text im neuen Jahr fällt ausnahmsweise mal recht persönlich aus. Wenn ihr mein privates Geschwafel überspringen und einfach nur wissen wollt, was auf Polygonien in 2020 (vielleicht) so passieren wird und wie mein Spiele-Jahr aussieht, dann klickt einfach hier.

Eigentlich mache ich mir gar nichts aus Silvester und dem ganzen Theater drumherum. Aus verschiedenen persönlichen Gründen ist es für mich sogar eher ein Tag, den ich nur zu gern aus dem Kalender streichen würde. Dementsprechend bin ich eigentlich auch eher nicht der Typ, der für das neue Jahr plötzlich große Pläne macht. Trotzdem blickte auch ich an den Feiertagen auf das Jahr zurück und machte mir Gedanken über mein 2020.

Während ich 2018 fast das Gefühl hatte, endlich mal etwas durchatmen zu können, war 2019 für mich einfach nur ätzend. Im Dezember 2018 sah ich manchmal leichte Doppelbilder, tat das aber einfach als Ermüdungserscheinungen ab. In den folgenden Wochen und Monaten wurde es aber immer schlimmer, bis ich zeitweise fast ununterbrochen doppelt sah und ein Augenlid dermaßen stark hing, dass ich aussah als hätte ich einen Schlaganfall gehabt. Außerdem schmerzten irgendwann auch meine Muskeln, was sich teils anfühlte als hätte ich dauerhaft Muskelkater. Weder mein Augenarzt noch mein Hausarzt hatten eine Erklärung dafür und so tourte ich gut ein halbes Jahr lang von Arzttermin zu Arzttermin und durch die Fachabteilungen verschiedener Krankenhäuser. Während die Ärzte allesamt recht ratlos wirkten, suchten meine Freundin und ich im Internet selbst nach einer Erklärung.

Aufgrund der Symptome hatten wir recht früh die Vermutung, dass es sich dabei um „Myasthenia gravis“ handeln könnte. Eine Autoimmunerkrankung und äußerst seltene Form der Muskelschwäche, die selbst unter Ärzten kaum bekannt ist. Nach diversen Untersuchungen erhielt ich dann im Sommer endlich eine gesicherte Diagnose, die unsere Vermutung bestätigte. Mittlerweile nehme ich täglich Medikamente gegen die Myasthenie und kann meinen Alltag auch meist ohne größere Probleme bewältigen. Die optimale Dosierung habe ich allerdings noch immer nicht gefunden und bei einigen Dingen merke ich noch immer Einschränkungen. Meine Augen reagieren zuweilen spürbar träger als zuvor und ermüden schneller, was sich natürlich auch beim Zocken hin und wieder bemerkbar macht. Noch viel schlimmer ist es jedoch beim Sport, wodurch ich leider seit gut einem Jahr komplett auf Fußball verzichten muss. Ich hoffe aber noch, dass ich vielleicht doch irgendwann wieder kicken kann. Eigentlich sollte ich wohl auch froh sein, dass es momentan nur diese vergleichsweise kleinen Einschränkungen sind. Die Ärzte können nicht genau sagen, ob es in den kommenden Jahren vielleicht schlimmer wird, also versuche ich, mich mit der Situation zu arrangieren und auf das Beste zu hoffen.

Warum erzähle ich das alles?

Naja, zum einen hoffe ich, dass ich damit vielleicht irgendeiner armen Seele bei der verzweifelten Suche nach einer Diagnose helfen kann. Bei mir hat es ja schon lange gedauert, aber ich habe von Leuten gelesen, bei denen es erst nach Jahren korrekt diagnostiziert wurde. Womöglich berichtet euch ja irgendwann mal jemand von ähnlichen Symptomen und dann erinnert ihr euch vielleicht daran, dass es da so eine komische Krankheit gibt.

Zum anderen ist es auch eine prima Ausrede dafür, dass ich hier im vergangenen Jahr erneut eher halbherzig bei der Sache war. Wenn man plötzlich mit ernsten gesundheitlichen Problemen konfrontiert ist, fällt einem natürlich ganz besonders auf, wie unbedeutend die meisten Dinge sind. Was letztlich auch für meine Website gilt. Die Begeisterung der Anfangszeit ist mir ja nicht erst im letzten Jahr etwas abhandengekommen. Trotzdem ist die Seite für mich dann aber doch nicht unbedeutend genug, als dass ich sie einfach ganz aufgeben könnte. Was also tun? Inzwischen glaube ich, dass es mir und der Seite gut tun wird, wenn ich einen Gang zurückschalte und Polygonien wieder mehr als meinen persönlichen Heimatplaneten in den unendlichen Weiten des Internets und weniger als eine Art Online-Magazin betrachte. Die Klickzahlen und Kommentare sind sowieso seit Jahren rückläufig und für die verbliebenen Menschen, die hier noch regelmäßig mitlesen, ist Polygonien vermutlich sowieso untrennbar mit meiner Person verbunden.

Abwärtstrend gestoppt oder ist einfach nur der Tiefpunkt erreicht? 😉

Keine Panik, das soll nicht bedeuten, dass ich hier nun ständig aus meinem Privatleben erzähle. Es soll hier weiterhin um (Indie-) Games und Nerdkram gehen, nur vielleicht ein wenig persönlicher, subjektiver und „schlampiger“. Statt mir Gedanken darüber zu machen, ob ich jetzt wirklich alle wichtigen Aspekte des Spiels erwähnt habe oder auch wirklich fair war, sollte ich die Seite wieder mehr als mein Spieler-Tagebuch betrachten. So wie Blogs ursprünglich mal waren. Bevor irgendwie jeder meinte, er müsste jetzt seine eigene Low-Budget-Version der Gamestar ins Netz stellen.

Dann habe ich hoffentlich auch wieder etwas mehr Spaß am Schreiben (und Spielen) und schiebe die Texte nicht immer ewig vor mir her oder schreibe sie immer wieder um. Als Leser bin ich ja schließlich auch kein großer Fan davon, dass man Spiele bis ins kleinste Detail bespricht. Meistens möchte ich nur einen groben Überblick bekommen und mir dann einfach eine eigene Meinung bilden. Aktuelle Blockbuster für 50 € und mehr kaufe ich sowieso nicht und meine Kaufentscheidung mache ich daher nur selten von Tests usw. abhängig. Dafür habe ich inzwischen auch einfach zu viele Spiele ins Herz geschlossen, die in den meisten Berichten verrissen wurden. Ich versuche auch schon länger, meine Texte anders zu strukturieren und meinen Stil etwas zu verändern, aber am Ende verfalle ich meist doch wieder in alte Muster. Ich kann also noch nicht genau sagen, wie meine Beiträge in Zukunft aussehen werden und gute Vorsätze sind ja sowieso immer so eine Sache, aber zumindest ein paar Ideen habe ich schon.

Für das neue Jahr habe ich mir aber nicht nur Änderungen an Polygonien vorgenommen, sondern ich will auch ganz grundsätzlich einige Dinge an meinem Spielkonsum verändern. Was mich dabei beschäftigt, ist jedoch nicht die Tatsache, dass ich so viel Zeit in Videospielen statt mit Karriere oder Sport oder (bitte hier anderen gesellschaftlich akzeptierten Zeitvertreib einfügen) verbringe. Nein, ich denke, mein Videospielkonsum an sich ist durchaus noch in einem gesunden Rahmen und ich verlasse sogar gelegentlich das Haus. Vielmehr geht es mir darum, mit welchen Spielen ich diese Zeit verbringe.

In den Top 10 meiner meistgespielten Steam-Titel befinden sich ausschließlich Online-Games. Genauer gesagt sind es bis auf Rocket League durchweg Online-Shooter und abgesehen von Killing Floor (Koop) und DayZ (Survival) sind sie immer rein kompetitiv. Es geht immer um Sieg oder Niederlage und um den Wettstreit mit anderen Spielern. Dabei bin ich weder im E-Sport aktiv noch spiele ich regelmäßig mit einer festen Gruppe. Im Gegenteil, eigentlich bin ich die meiste Zeit solo auf öffentlichen Servern mit fremden Spielern unterwegs. Das ist vermutlich nicht ungewöhnlich, aber in letzter Zeit fühlt sich das für mich immer öfter nach vertaner Zeit an. Auch der allgegenwärtige Alltagsrassimus, die Frauenfeindlichkeit und allgemein dieses pubertäre Machogehabe in vielen Online-Lobbies (insbesondere bei Shootern) geht mir zunehmend auf die Nerven. Darum will ich mal ein Jahr lang komplett auf kompetitive Online-Games verzichten, solange ich nicht mit Freunden spiele. Ich bin gespannt, ob mir das wirklich gelingt, denn zuletzt waren das auch immer die Spiele, die ich gestartet habe, wenn ich nach einem harten Tag einfach nur seichte Ablenkung haben wollte. Die so gewonnene Zeit will ich aber weiterhin mit Games und den Dingen drumherum verbringen. Mein Motto für 2020 ist also quasi: Lieber hundert Spiele für jeweils 10 Stunden spielen statt zehn Spiele für jeweils 100 Stunden.

Diesen und noch ein paar andere Vorsätze habe ich in eine kleine Liste gepackt und im Laufe des Jahres werde ich immer mal wieder nachschauen, wie das mit der Umsetzung geklappt hat. Das dient in erster Linie meiner eigenen Motivation, aber womöglich habt ihr für euer Spiele-Jahr 2020 ja auch Pläne. Vielleicht wollt ihr den Pile of Shame abarbeiten, eine neue Konsole anschaffen oder mal ein neues Genre ausprobieren. Falls dem so ist, schreibt es gern in die Kommentare, schickt mir einen Tweet und/oder verlinkt mir eure Beiträge dazu. 🙂

Meine Quests für 2020 (work in progress):

  • Mehr Retro!
    • Insbesondere mehr Dreamcast-Spiele, die ich dann auch für SEGA-DC.de bespreche
  • Mehr Klassiker/Must-Play/Meilensteine
    • Es gibt viele bedeutende Spiele, die ich zwar kenne, aber nie richtig (oder gar nicht) gespielt habe. Einige davon will ich dieses Jahr endlich nachholen.
  • Mehr Local Multiplayer (und endlich wieder eine kleine LAN)
    • Mit Freunden auf der Couch zu zocken ist sooooo viel besser als online.
  • Mehr Kinect, PS-Move und Wii Mote
    • Ja, viele hassen Bewegungssteuerung, aber ich mag alternative Steuerungen und kann über die Schwächen oft hinwegsehen. Darum will ich endlich mehr davon ausprobieren.
  • Mehr Bücher & Magazine lesen/besprechen
    • Ich habe inzwischen echt viel Lesestoff angesammelt, den ich nur kurz durchgeblättert und dann ins Regal gestellt habe…
  • Kein PvP bzw. nur noch mit Freunden (siehe oben)
  • Polygonien wieder mehr als klassischen Blog nutzen (siehe oben)
  • Alte Formate wiederbeleben
    • Die Vergessenen Welten und neue Logbücher
  • Regelmäßiger andere Blogs lesen und kommentieren
    • Die schwindende Interaktion auf den Blogs beklagen wir ja alle und dagegen möchte ich gerne aktiv etwas tun. Außerdem motiviert mich das hoffentlich etwas dazu, wirklich auch selbst aktiver zu posten.
  • Befreundete Blogger treffen
    • Über die Jahre habe ich zwar online viele nette Blogger kennengelernt, aber in der realen Welt hat man sich doch nie getroffen. Vielleicht klappt es dieses Jahr auf der EGX oder beim VSG20.
  • Talk & Play besuchen
    • Ein monatliches Indie-Treffen in Berlin, das ich schon ewig mal besuchen wollte.
  • Weniger Spiele kaufen!?!?!?!
    • Das ist eigentlich immer ein Thema bei mir und hätte einen eigenen Beitrag verdient.
  • Wieder etwas in UnrealEd und/oder Blender basteln
    • Den UnrealEd habe ich schon als Teenie ausprobiert, aber weder damals noch in UT3 habe ich jemals eine Map fertiggestellt. Das sollte ich echt mal wieder versuchen und dann habe ich auch noch auf Twitter ein echt spannendes Tutorial für Blender entdeckt.
  • Das Blog-Theme wechseln
    • Das ist auch so eine unendliche Geschichte. Mit meinen Premium-Themes habe ich mich schon mehrfach angeschmiert, aber ich mag auch keines nehmen, das auf zig anderen Blogs zu sehen ist. Wenn ihr gute Anbieter kennt, dann schreibt mir bitte.
  • Themen-spezifische Unterseiten aufbauen?
    • Da schwirren mir viele Ideen im Kopf herum, aber mehr noch nicht. Vielleicht so ähnlich wie das kleine Probe-Special damals, nur größer und etwas ausgefeilter. Also ein wenig in Richtung Listicle.
  • Weniger Zeit auf Twitter verschwenden
    • Das sollte eigentlich an erster Stelle stehen, denn auch wenn ich viele interessante Projekte erst durch Twitter entdecke, wird dort auch viel Zeit völlig sinnlos verschwendet. Mir fehlt es da echt an Disziplin und vielleicht wäre ein Browser-Plugin dafür eine gute Idee.