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Indie Review / Test

Indie-Tipp: Motte Island

Nachdem sich das Horror-Genre lange Zeit im Kreis drehte und immer mehr mit Action-Elementen verwässert wurde, gibt es inzwischen jede Menge Indie-Projekte, die dem Genre den Grusel zurückgeben möchten und dabei immer wieder auf ungewöhnliche Mittel zurückgreifen. Bei dem kleinen Indie-Grusler Motte Island, der von OneAperture und Gamebell entwickelt wurde, ist es allen voran die Top-Down-Perspektive, welche das Spiel aus der Masse hervorstechen lässt.

Alles beginnt damit, dass ihr, ein verurteilter Mörder, aus einem Gefangenentransporter fliehen könnt und euch auf die Suche nach eurer Schwester macht. Die befindet sich nämlich in großer Gefahr, oder zumindest glaubt ihr das. Nachdem ihr also die Polizisten abgehangen habt, fahrt ihr mit dem nächstbesten Boot nach Motte Island, wo ihr aufgewachsen seid und eure Schwester noch immer lebt.

Bei Einbruch der Nacht verlasst ihr still und heimlich euer Hotelzimmer und schleicht euch in das alte Anwesen im Norden der Stadt, wo ihr schließlich eine ungeheure Entdeckung macht, doch noch bevor ihr eure Schwester retten könnt, bricht auf der Insel die Hölle los und das einst so beschauliche Eiland verwandelt sich in eine Brutstätte des Bösen.

screen motte island pc indie horror prison

Die Bewohner sind nun garstige Mutanten, die sofort auf euch losgehen, wenn sie euch sehen. Die beste Option ist daher, ihnen entweder auszuweichen oder ihnen von hinten Schaufel oder Baseball-Schläger über den Schädel zu ziehen. Solltet ihr entdeckt werden, dann ist die Flucht meist die beste Option, aber nicht immer möglich. Müsst ihr euch doch mal in einen offenen Kampf begeben, dann teilt ihr meist im Rückwärtsgang leichte sowie schwere Hiebe aus und hofft, dass das Monstrum vor euch am Boden liegt. Dass die Entwickler den Kämpfen keinen allzu großen Wert beigemessen haben merkt man auch daran, dass mögliche Blessuren mit geduldigem Warten und nicht etwa mit raren Medikits geheilt werden.

screen motte island pc indie horror cemetery

Deutlich spannender ist es daher, sich wirklich etwas vorsichtiger durch die Areale zu tasten und zu versuchen, die Konfrontation zu vermeiden oder Stealth-Kills zu machen. Durch die Vogelperspektive funktioniert dieser Stealth-Ansatz recht gut und wenn ihr mal wieder mit ausgeschalteter Taschenlampe durch die verfallenen Gebäude streift, dann trägt er auch spürbar zur Atmosphäre bei. Wirklich anspruchsvoll wird es dabei jedoch nie und das gilt leider auch für den recht simpel geratenen Adventure-Part, der sich auf das simple Suchen und Einsammeln einiger Gegenstände beschränkt.

screen motte island pc indie horror dead body

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man sich tatsächlich bewusst für die Vogelperspektive entschieden hat oder nicht doch einfach nur das Budget und die Fähigkeiten des Entwicklers verhinderten, dass Motte Island in 3D begehbar ist. Auf jeden Fall war ich aber überrascht, wie atmosphärisch das Spiel trotz seiner unscheinbaren Aufmachung sein kann. Spielerisch und auch bei der Story fehlt es zwar merklich an Tiefe, aber bei einer Spiellänge von nur wenigen Stunden, fällt das nicht ganz so ins Gewicht.

Im direkten Vergleich mit den vielen hochkarätigen Indie-Titeln des Horror-Genres wirkt Motte Island zwar oft etwas amateurhaft, aber gerade deswegen zeigt es auch sehr schön, dass man schon mit einfachen Mitteln allerhand erreichen kann.

Publisher/Entwickler: OneAperture & Gamebell Studio | Plattform: PC / Mac
Genre: Horror / Action-Adventure / Top-Down / 2D | Release: März 2014
Preis: ca. 4 € auf Desura | Website | Twitter | Greenlight

*Vielen Dank an OneAperture für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

3 Antworten auf „Indie-Tipp: Motte Island“

Bin mir nicht sicher, ob du eine Empfehlung für das Spiel ausgesprochen hast?! So ganz begeistert klingst du ja nun auch nicht!
Die Top Down-Perspektive kann ich mittlerweile immer besser ab. Gibt ja einen guten Überblick und kann auch atmosphärisch mehr geben als die Standard-Egoperspektive. Funktioniert beispielsweise bei Stasis auch super oder auch bei Dead State.

Hm, da die Kategorie Indie-Tipp heißt, schließt es ja irgendwie da drauf. Klingt unterm Strich auch ganz positiv wie ich finde, wenn man von absieht, dass es wohl einige Ecken und Kanten zu haben scheint. 😉

Sowas finde ich persönlich ja nicht weiter schlimm. Deadly Premonition ist ein tolles Beispiel, für einen ungeschliffenen Diamanten. 😀

Guten Wochenstart. 🙂

Also eine richtige Empfehlung kann ich wohl nicht abgeben, weil ich mir einfach gewünscht hätte, dass man in fast allen Bereichen noch mehr in die Tiefe gegangen wäre, aber für die verlangten 4 € ist es absolut in Ordnung. Sicher kein Must-Have, aber für Genre-Fans ein netter kleiner Tagesausflug.

@Jens:
Top-Down ist hier aber auch wirklich wörtlich gemeint, denn die Kamera hängt halt quasi im 90°-Winkel an der Decke, während sie ja bei deinen Beispielen schon noch etwas angewinkelt ist.

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