Ballistic Overkill: Schnell drin, schnell wieder vergessen

Wenn die Verkaufszahlen sinken und die Server sich leeren, dann greift so mancher Online-Shooter nach dem Free to Play-Strohhalm. Auch Ballistic Overkill hat einen solchen Wechsel hinter sich, nur ist der brasilianische Entwickler Aquiris Game Studio damit den entgegengesetzten Weg gegangen.

Ursprünglich erschien das Spiel als Browser-Game auf Facebook & Co., wo es zunächst auch einige Achtungserfolge feiern konnte, ehe schließlich der Publisher entschied, dass sich der Betrieb nicht mehr rechnet. Das Team glaubte jedoch weiter an sein Projekt und kaufte die Rechte an seinem Werk schlussendlich zurück, um 2015 via Steams Early Access einen Neustart als Kauf-Titel zu versuchen. Doch obwohl das Team offensichtlich einiges an Arbeit investiert und die Microtransactions in die Tonne gehauen hat, ist der Free to Play-Mief leider irgendwie noch zu riechen.

Ballistic Overkill ist ein schnörkelloser Deathmatch-Shooter, den man vielleicht am ehesten als Low-Budget-Version von Call of Dutys Multiplayer beschreiben kann. In Team-Deathmatch und zwei King of the Hill-Varianten treten zwei Teams in relativ kleinen Arenen gegeneinander an. Unabhängig vom Spielmodus stehen euch dabei sieben verschiedene Klassen zur Auswahl, die ihr zu jeder Zeit wechseln könnt. Doch was auf dem Papier vielleicht noch Abwechslung und Teamplay verspricht, entpuppt sich auf dem digitalen Schlachtfeld leider schnell als Blindgänger. Zwar unterscheiden sich die Klassen schon ein wenig in ihrer Agilität, Stärke und Ausrüstung sowie Perks, aber auf die Spielweise hat es letztlich doch nur minimale Auswirkung. Und das gilt gleichermaßen für die Spielmodi. Ob nun Jeder-gegen-Jeden oder Team-Modus, am Ende rennt man doch nur planlos durch die Arena und versucht, möglichst viele Gegenspieler niederzumähen.

In den ersten paar Stunden macht das sogar durchaus Spaß, denn Handling sowie Treffer-Feedback sind solide und auch grafisch habe ich gerade im Free to Play-Bereich schon wesentlich schlechtere Titel gesehen. Leider wird dann aber doch recht bald klar, dass Ballistic Overkills „Pick up & Play-Philosophie“ zur Folge hat, dass es dem Shooter in jeder Hinsicht an Substanz fehlt. Im Grunde braucht es für den Sieg einfach nur hervorragende Reflexe und alles andere ist nur Staffage.

Den Aufbau der Karten hat man nach 1-2 Partien verinnerlicht, die Klassen samt Ausrüstung sind allesamt derart simpel gehalten, dass man sich schnell fragt, warum man überhaupt separate Klassen eingebaut hat und selbst in den Team-Modi agiert doch jeder als Einzelkämpfer. Auch das Freischalten neuer Waffen und kostenlose Lootboxen konnten nichts daran ändern, dass ich schon nach wenigen Stunden das Gefühl hatte, alles gesehen und erlebt zu haben. Das fehlende Auto-Balancing der Teams (selbst ein manueller Seitenwechsel ist nicht möglich), das leider oft zu sehr einseitigen Partien führt, ist da fast noch das kleinste Problem. Auch das Design der Spielwelt und der Charaktere macht da keine Ausnahme. Zwar ist die Optik keineswegs unansehnlich, aber es mangelt ihr an Persönlichkeit. Die Arenen sind steril und das Charakterdesign völlig unspektakulär.

Fazit
Wenn man nur auf ganz simples Online-Geballer aus ist, dann kann man mit Ballistic Overkill sicher ein paar Stunden Spaß haben, aber es gibt einfach keinen guten Grund, nicht gleich zu einem der vielen deutlich interessanteren Shooter zu greifen.


About Poly

Roberto (aka Poly) hat Polygonien 2012 gegründet, weil er der Indie-Szene etwas zurückgeben und auf die vielen Perlen aufmerksam machen wollte. Er ist mit dem Mega Drive aufgewachsen, hält den Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten und besitzt viel zu viele Videospiele. Er ist Co-Admin von Sega-DC.de, schreibt Gast-Artikel für befreundete Games-Blogs und hilft auf Buy Some Indie Games aus.

Leave Comment