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Home > Gedankenspiel > Resident Evil 4: Wiedergeburt oder Beerdigung?

Resident Evil 4: Wiedergeburt oder Beerdigung?

Knapp ein Jahr nachdem Resident Evil 4 für den Gamecube erschienen ist, habe ich mir damals günstig das Resi 4 GC-Bundle geholt. Einen Cube hatte ich zwar schon, aber es war ein Schnäppchen und als langjähriger Fan der Serie war ich mir sicher, dass Teil 4 eine solche Investition absolut rechtfertigen würde. Einige Wochen später war ich mit Leon bis zum Kampf gegen Salazar vorgestoßen, doch dort war dann für viele Jahre Schluss. Irgendwie war ich damals ziemlich enttäuscht von dem Weg, den die Serie mit dem, vielerorts als Wiedergeburt gefeierten, vierten Teil genommen hatte und so legte ich den Titel beiseite, nachdem ich bei besagtem Bosskampf wiederholt ins Gras gebissen hatte.

Vor ein paar Wochen bestellte ich mir dann ganz spontan die Wii-Edition (als UK, da bei uns zensiert), um dieses Kapitel endlich mal abzuschließen und herauszufinden, ob ich das Spiel heute mit anderen Augen sehen würde. Zu meiner eigenen Überraschung zog ich mein Vorhaben dann auch tatsächlich durch und sah vor wenigen Tagen den Abspann über meinen Plasma-TV flimmern.

Resident Evil 4 ending stats

Eigentlich ist das ja ein positives Zeichen, aber Freunde werden Resi 4 und ich trotzdem nicht mehr. Obwohl ich es durchaus als ein gutes Spiel bezeichnen würde, gibt es einfach zu viele Dinge, die zwischen uns stehen und es mir unmöglich machen, zu ihm eine engere Bindung aufzubauen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich als junger Teenager vorsichtig durch die vorgerenderten Kulissen das legendären Herrenhauses von Raccoon City gearbeitet habe. Wie die Hunde durch die Fenster sprangen, wie ich dem ersten Hunter begegnet bin und vor allem die Anspannung, bei den Türanimationen neuer Räume. Ich habe mich nie sicher gefühlt und immer gedacht, dass schon beim nächsten Kamerawechsel alles vorbei sein kann. Diese Mischung aus Neugier und einem mulmigen Gefühl fand für mich ihren Höhepunkt in RE: Code Veronica. Dem Teil, der die Serie dank SEGAs Dreamcast technisch auf ein neues Level hob und gleichzeitig dem bewährten Stil treu blieb.

screenshot resident evil code veronica hallway

Resident Evil 4 trägt zwar noch den Namen der Serie und hat den gleichen Protagonisten wie der zweite Teil, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch fast schon wieder auf. Das Gameplay ist nicht einfach nur modernisiert, sondern durch eine komplett neue Spielmechanik ersetzt worden und so wurde aus einem langsamen Horror-Spiel ein hektischer Shooter. Nun bin ich der letzte Spieler, der einen guten Shooter verschmäht, im Gegenteil, ich LIEBE Shooter sogar und bin dem Genre seid Quake 2 und Unreal treu. Doch Resident Evil war für mich eben immer ein Horror-Spiel und für mich hat das Grundkonzept eigentlich nie seinen Reiz verloren, obgleich ich zugeben muss, dass ich keinen der Teile gespielt habe, die zwischen Code Veronica und RE 4 erschienen sind.

Die Tatsache, dass Leon, wie in den alten Teilen, beim Schießen immer stehenbleiben muss, führt zwar bei entsprechendem Gegneraufkommen zu einer gewissen Spannung und gerade zu Beginn auch zu Panik, aber echter Horror ist eben doch etwas anderes. Das Gefühl ist ein anderes, auch wenn ich es nicht genau beschreiben kann. Jeder reagiert auf Horrorfilme und Spiele etwas anders und von echter Angst zu sprechen ist wohl in den meisten Fällen auch nicht ganz korrekt, denn am Ende geht es nun mal um Fiktion und nicht um echte Erlebnisse. Doch wer das erste Resident Evil, Silent Hill oder Amnesia gespielt hat, der weiß vermutlich, wovon ich spreche und wird mir zustimmen, dass RE 4 nichts mit diesem Spielgefühl gemeinsam hat.

Es geht mir jedoch nicht allein darum, dass Leon die meiste Zeit mit Schießen beschäftigt ist. Das ist zwar das Hauptproblem, aber es gibt noch viele andere Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass es einfach nie wirklich gruselig wird. Wenn man einem Gegner ins Bein schießt und ihm anschließend per Nahkampf den Rest gibt, um Munition zu sparen, dann ist das im Hinblick auf die Spielmechanik sicher gut, denn es verleiht den Kämpfen mehr Taktik, aber es ist auch sehr schwer, sich vor Gegnern zu fürchten, denen man regelmäßig mit Wrestling-Moves den Kopf zerschmettert.

screenshot resident evil 4 giant

Hinzu kommt, dass man immer mächtiger wird, je weiter man im Spiel voranschreitet. Während man zu Beginn noch jeder verfehlten Kugel nachtrauert, fragt man sich einige Stunden später nur noch, wie man all die Waffen in das Inventar quetschen kann und welches Upgrade man sich als nächstes gönnt. Zwar wirkt es dank Capcoms cleverer Umsetzung eines dynamischen Schwierigkeitsgrades selten viel zu leicht oder zu schwer, aber Gedanken im Sinne von „hoffentlich schaffe ich es noch bis zum nächsten Saferoom“ kommen euch hier nicht. Ob und wie ihr weiterkommt, ist eigentlich nie die Frage, sondern nur, wie effektiv ihr auf dem Weg seid und wie lange ihr braucht.

Auch der übermäßige Einsatz von Bossen und Arenakämpfen sowie zahlreichen Speicherpunkten und Checkpoints verstärkt diesen Effekt. Der ganze Aufbau der Spielwelt wirkt extrem künstlich, wie ein Vergnügungspark, in dem euch die Reiseleiter von einem Fahrgeschäft zum nächsten hetzen. Die Fahrgeschäfte sind in dem Fall die vielen Bosse, Arenakämpfe, wie etwa die Verteidigung des Hauses mit Luis und Abschnitte wie die Fahrt durch die Mine im besten Indiana Jones-Stil. Dazwischen hat man immer wieder den Händler, der euch was aufschwatzen und damit zugleich ein Gefühl von Fortschritt und Belohnung vermitteln will. Welcher Sinn hinter dem Händler oder den oft abstrusen Levelkonstruktionen innerhalb dieser virtuellen Realität steckt wird nie erklärt.

screenshot resident evil 4 trader

Wie auch? Dinge wie der riesige Roboter-Salazar oder die drei Käfige, die irgendwo in einer Höhle hängen wurden einfach nur als Attraktionen eingebaut und nicht, weil sie innerhalb des Spieluniversums einem Zweck dienen. Ich will nicht behaupten, dass die Umgebungen in den Vorgängern immer absolut nachvollziehbar oder gar ausgesprochen realistisch aufgebaut waren, aber sie waren selten so unglaubwürdig wie in RE 4. Das ganze Spiel ist einfach ganz offensichtlich „gamey“. Alles im Spiel existiert in erster Linie, um der Spielmechanik und dem Spaß oder der Herausforderung zu dienen und man versucht gar nicht, das irgendwie zu verschleiern. Die wirre Story und die vielen Dialoge, die bis auf wenige Ausnahmen eher (manchmal auch unfreiwillig) witzig gehalten sind, unterstreichen diesen Eindruck nur noch. Das ist zwar eigentlich völlig okay und kann auch Spaß machen, aber in einem Horror-Spiel ist es eben einfach kontraproduktiv.

screenshot resident evil 4 salazar statue

Was die Sache noch bitterer macht, ist das Wissen, dass es auch alles hätte ganz anders kommen können, denn RE 4 war lange Zeit ein ganz anderes Spiel. Eigentlich war es sogar vier andere Spiele und aus einer Version entstand später eine andere Hit-Serie von Capcom, nämlich Devil May Cry. Doch während Dantes Abenteuer sogar noch weniger mit dem klassischen Resident Evil gemeinsam haben, gab es auch eine Version, die zwar ebenfalls deutliche Änderungen mit sich brachte, aber gleichzeitig viele Elemente beibehielt.

Hallucination Biohazard 4 war die Vision von Yasuhisa Kawamura, der zuvor auch bei Dino Crisis sowie Resident Evil 3 mitwirkte. Er war der Meinung, dass echter Horror nur dann entsteht, wenn der Spieler es mit dem Unbekannten zu tun bekommt. Mit Dingen, die er nicht vollständig verstehen, sich nicht erklären kann. Darum drehte sich in seinem Resident Evil alles um Halluzinationen, die Leon ohne jede Vorwarnung heimsuchten. Zu diesem Zweck sollte es immer zwei Versionen der Spielwelt geben und der Spieler sollte nie wissen, wann der nächste Wechsel passiert oder was nun gerade real ist. Die Präsentation setzte dabei auf eine Mischung aus festen Kameraperspektiven und dem Blick über die Schulter Leons, wie es heute in der Serie üblich ist. Leider brachte Kawamuras Idee einige Probleme mit sich, denn zwei Versionen der Spielwelt bedeuteten auch doppelten Aufwand und vor allem auch doppelten Speicherverbrauch. Als die Führungsriege von Capcom schließlich merkte, dass die Entwicklung ins Stocken geraten war, übergab man Serienerfinder Shinji Mikami wieder das Kommando, der das Projekt zu dem Spiel machte, das wir heute alle kennen.

Letztendlich gab der Erfolg von Resident Evil 4 Capcom Recht und für sich genommen ist es durchaus ein gutes Spiel, das vor allem in Verbindung mit der Wii-Mote eine Menge Spaß machen kann. Ob man es aber wirklich genießen kann, hängt sehr stark davon ab, mit welchen Erwartungen man es spielt und wie sehr man an den alten Teilen hängt. Inzwischen hat man als Fan das Gefühl, dass Capcom selbst nicht mehr weiß, was die Kunden von ihrem Spiel erwarten und was sie mit ihrer legendären Serie machen sollen. Resident Evil 6 war sicherlich der absolute Tiefpunkt, aber die Revelations-Spinoffs machen mir zumindest ein bisschen Hoffnung, dass sie am Ende doch noch die Kurve kriegen.

7 Comments

  1. Ich fand RE4 immer grandios, auch wenn es anders war. RE1 und 2 habe ich noch gespielt, Teil 3 fand ich stinkelangweilig und altbacken, Code Veronica ok. Von daher hat Teil 4 gut getan!

  2. Also ich finde, dass RE4 ein guter Wendepunkt der Serie war. Viel mehr vom Herrenhaus-Grusel ging doch nicht mehr, oder? Daher war und bin ich immer noch begeistert von dem Weg, den Resident Evil damals eingeschlagen hat. Wobei ich RE5 sogar noch besser fand.

    • Es ist wirklich ein Spiel, das die Fangemeinde spaltet. Ich kenne einige Leute, die Teil 4-6 wirklich mehrfach von vorn bis hinten durchespielt haben und sie lieben, aber gleichzeitig bin ich absolut nicht der einzige Spieler, der den alten Zeiten nachtrauert. An Capcoms Stelle würde ich einfach zwei Serien daraus machen und beiden Seiten geben, was sie wollen.

      • Teil 6 habe ich mich immer noch nicht getraut zu spielen… 😉

        Klar, ich traue den alten Zeiten auch ein wenig nach, aber irgendwie hätte der Stab an ein anderes Spiel übergeben werden müssen, bei RE war es halt – meiner Meinung nach – durch.

  3. Hm… dieser Bericht weckt die Lust RE4 zu laden! Ist zurzeit auch bei Steam im Sale für knappe 7 Euro… Einerseits habe ich totale Lust auf etwas RE-Feeling. Andererseits habe ich etwas Angst, es macht mir dann doch keinen Spaß´:-)

    • Es kommt halt stark darauf an, was du letztendlich vom Spiel erwartest. Wenn Action statt Horror für dich okay ist, dann kannst du bei 7 € wohl nicht viel falsch machen.

      • Also ich kenne ein paar Leute, die RE5 noch mögen, aber Teil 6?

        Für alle Retro-Fans: Einfach RE1 HD Retail aus japan importieren und wieder durchzocken! Selbst wer das GC Original kennt, wird es toll finden!

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