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Logbuch: DayZ – Kapitel 5

Der Killer in mir
Am Rande des Waldes angekommen entdeckten wir ein Wildschwein und machten kurz halt, um uns mit etwas frischem Fleisch zu versorgen. Den Hunger kann man natürlich auch mit Konserven stillen, aber sobald man die nötige Ausrüstung besitzt, sollte man lieber auf Fleisch setzen, da es bei Bedarf auch zur Heilung taugt. Die Dosen geben nämlich gerade ein mal 200 der maximal 12 000 Lebenspunkte zurück, wohingegen der Verzehr von gebratenem Fleisch 800 Einheiten Blut bringt.

Gerade als ich mein Gewehr abgelegt und das Tier erlegt hatte, erblickte ich am Bildrand einen anderen Spieler, der genau auf uns zu rannte. Hastig rief ich ins Headset, um Stefan in Alarmbereitschaft zu versetzen, doch als er anlegte, war der überraschende Besucher schon an uns vorbei in Richtung Lagerhallen gesprintet und hatte uns im nächtlichen Unterholz gar nicht wahrgenommen. Seit wir gemeinsam unterwegs waren, hatte Stefan bereits drei andere Spieler erledigt und dieser Typ wäre wohl Nummer 4 geworden, wenn ich ihn nicht davon überzeugt hätte, dass wir ihn einfach laufen lassen sollten, weil er ohnehin nur eine Axt hatte und wohl erst kürzlich gestartet sein dürfte. In unseren allerersten Spielstunden hatten wir beide schon negative Erlebnisse mit fremden Spielern gemacht und daher wunderte es mich nicht, dass Stefan mittlerweile eher eine „erst schießen, dann fragen“-Taktik bevorzugte. In solchen Momenten merkt man gut, wie DayZ die Moralvorstellungen und den Charakter eines Spielers verändern kann. Natürlich nur innerhalb dieser virtuellen Umwelt, aber schon das ist bemerkenswert.

Zu Beginn hatte er in erster Linie die Zombies als Feinde ausgemacht und hoffte darauf, gemeinsam mit anderen Spielern die Hürden dieser unwirtlichen Welt nehmen zu können, doch inzwischen waren die anderen für ihn nur noch ein Risiko und ohne Zweifel hinter seinen spärlichen Besitztümern her. Auch ich hatte ein wenig Paranoia und wesentlich mehr Angst vor Scharfschützen, die mich aus dem Hinterhalt erledigen wollen oder Banden, welche die größeren Ortschaften als ihren Besitz ansehen.

Dennoch hatte ich noch immer Hemmungen direkt das Feuer auf andere Überlebende zu eröffnen und in der Nacht zuvor hätte mich das beinahe mein Leben gekostet. Für Stefan war schon lange klar, dass ich oder vielmehr wir uns einen derartigen „Luxus“ nicht mehr leisten können, wenn wir länger überleben und noch bessere Ausrüstung finden wollen. Das war mir natürlich auch bewusst, aber dieses Verhalten widerspricht meinem Wesen und wenn ich einige Tage zuvor mit einer ähnlichen Einstellung Stefan begegnet wäre, dann wären wir jetzt vermutlich noch immer auf uns allein gestellt.

Manchmal zahlt es sich eben doch aus, wenn man sich ein wenig soziales Denken bewahrt und nicht in jedem von vornherein einen Feind sieht. Wobei man wohl nicht vergessen sollte, dass ich auch an den Falschen hätte geraten können, der zunächst vorgibt mit mir kooperieren zu wollen und mich dann – z.B. nach einem guten Fund – aus Gier hinterrücks erschießt. Es ist immer ein kleines Glücksspiel und jeder muss selbst wissen wie viel Risiko er eingehen will und wie viel Vertrauen er sich erlauben kann, aber so frustrierend das auch enden kann, es ist auch eines der Elemente, die DayZ zu einer einmaligen Erfahrung machen (können). Es steht jedoch außer Frage, dass mit jeder Begegnung mit einem feindlich gesinnten Spieler die Hemmschwelle sinkt und euer eigenes Wohl sowie der Wunsch nach überlegener Ausrüstung immer weiter in den Vordergrund rücken und es immer schwerer fällt, einer von den guten zu bleiben, denn schlimmstenfalls bezahlt ihr dafür mit eurem virtuellen Leben.

Stefan hatte also seinen nervösen Zeigefinger unter Kontrolle behalten und ich hatte den Rucksack mit frischem Fleisch befüllt, als wir uns wieder auf den Weg nach Westen machten, weil dort einige Tage vorher ein Kollege unterwegs war und wir uns dort demnächst wieder mit ihm treffen wollten. Auf meinem Weg zu Treffpunkt hatte ich eine Scheune entdeckt und die wollten wir nun auf dem Rückweg durchsuchen. Dank des starken Mondlichts kamen wir gut voran, doch ich konnte die Scheune einfach nicht mehr wiederfinden. Als wir an eine große Lichtung kamen entdeckten wir dafür jedoch zwei Hochstände, deren Umrisse sich am gegenüberliegenden Waldrand abzeichneten. Ein kurzer Blick ins Fernglas versprach leichte Beute und schon kurze Zeit später erklommen wir die erste Leiter. Hochstände sind immer einen Besuch wert, da sie meist nur von drei Zombies geschützt werden und trotzdem brauchbares Equipment enthalten können. Ich hoffte auf etwas Munition für meine Winchester, aber was ich fand überstieg unsere Hoffnungen bei Weitem. Auf diesem Hochstand – mitten im Nichts – lag doch tatsächlich eine AK-74 samt Munition. Wir überlegten nicht lange und tauschten Stefans Schrotflinte gegen das Sturmgewehr. Wir konnten unser Glück kaum fassen, nach dem Drama vom Vorabend waren wir nun mindestens so gut ausgestattet wie zuvor, wenn nicht sogar noch besser.

Nachdem der zweite Hochstand inspiziert war, ging es weiter nach Südwesten. Wir peilten Kamenka an, ein kleines Küstendorf, in dem ich bereits zu Beginn des Abends leichte Beute machen konnte. Schon bald erblickten wir die ersten Zombies, als wir uns von Norden dem ersten Haus näherten. Die Nacht schränkt auch die Sehfähigkeiten der Zombies ein und dieses Wissen hatte mich etwas unvorsichtig werden lassen. Den Eingang zum Haus hatte ich schnell erreicht und im Inneren lag sogar ein Lee Enfield Gewehr. Dessen Reichweite ist zwar deutlich größer als die meiner Winchester und auch Munition lässt sich dafür leichter auftreiben, aber sie war auch bedeutend lauter, wodurch sie bei einem Schuss noch schneller Zombies anlocken könnte. Ich überlegte einen Moment und entschied mich dann dazu, sie vorerst dort liegen zu lassen und zunächst die anderen Gebäude zu durchsuchen, eventuell würde ich ja noch mehr Munition für meine treue Winchester finden.

Mein Abstand zu Stefan wurde kontinuierlich größer, da ich nun doch erheblich ungeduldiger war als er und dann kam es wie es kommen musste, gerade als ich die Straße beim roten Backsteinhaus im Zentrum des Dorfes überquerte bemerkte ein Zombie mein hastiges Vorgehen. Ein Schuss erschien uns beiden zu gefährlich und darum sprang ich eilig auf und rannte ins Haus, in der Hoffnung er würde mich aus den Augen verlieren. Ich rannte durch den Flur und warf mich im hintersten Zimmer auf die kalten Fließen. Meine Winchester im Anschlag nahm ich die Tür ins Visier. Vor mir lag noch ein zweiter Raum und dahinter war der Flur und ein kleines Fenster, durch das ich in Stefans Richtung blicken konnte. Er lag noch am Ortsrand und hatte meine Position gut im Blick, während er über das Headset ständig fragte, ob er mir zur Hilfe eilen sollte. Noch fühlte ich mich relativ sicher und es waren nur wenige Zombies alarmiert, also verblieben wir beide an unseren Positionen. Als die Laute immer besser zu hören waren, wurde klar, dass ich sie nicht abgeschüttelt hatte und sie nun ins Haus kamen. Türen schließen hilft sowieso nicht, also blieb ich liegen und dann kam auch schon der Erste um die Ecke. Ein kurzer Knall und er geht zu Boden, doch damit hatte ich eine Lawine losgetreten und immer mehr Zombies stürmten hinein. Ich versuchte ruhig und konzentriert zu bleiben, während sich allmählich die fauligen Körper im Raum vor mir auftürmten. Dann war kurz Ruhe und ich nutzte den Moment, um auf mein letztes Magazin zu wechseln. Danach würde mir nur noch die schwachbrüstige Pistole bleiben.

Obwohl ich bereits ein ganzes Magazin leeren musste und noch immer Untote um das Haus schlichen, dachte ich, dass das Schlimmste hinter mir lag, aber das Gegenteil war der Fall. Ich brachte gerade den nächsten Zombie zu Fall, als Stefan unerwarteten Besuch um die Ecken schleichen sah. Er entzog sich schnell wieder seinem Blickfeld, da hörte ich schon die Schritte neben mir. Meine Schüsse waren sicher meilenweit zu hören und wer sich nun trotzdem dorthin wagte, der musste entweder lebensmüde oder sehr gut ausgerüstet sein. Zombies waren eine Sache, ein anderer Spieler eine ganz andere. Mein Herz raste, die Schritte konnten näher kaum sein und ich war mir sicher, dass er jeden Moment das Haus betreten musste als sich plötzlich etwas im Fenster am Ende des Ganges bewegte. Noch im gleichen Moment feuerte ich mehrere Schüsse durch die Scheibe, als um mich herum die Hölle losbrach. Einen Augenblick später erblickte ich die Todesmeldung. Erst da realisierte ich richtig, was passiert war. Mein Widersacher, welcher durch seinen Tarnanzug kaum von Gestrüpp zu unterscheiden war, hatte offenbar versucht mich mit einer Granate auszuschalten. Meine Beine waren zwar gebrochen und ich war durch den enormen Blutverlust fast blind, aber irgendwie überlebte ich dieses Chaos. Ohne mein Morphium, das Stefan in der gleichen Nacht auf halsbrecherische Art und Weise ergattern konnte, wäre ich bei all dem Glück im Unglück trotzdem todgeweiht gewesen. Ich verabreichte mir die Spritze, erhob mich aus den Trümmern des gesprengten Zimmers und trat nach draußen. Stefan wartete bereits vor dem leblosen Körper des heimtückischen Killers und mir wurde bewusst, wie knapp ich gerade dem Tod entronnen war. Der Kerl hatte zwar nur eine Schrotflinte dabei, aber der Rest seiner Ausrüstung war erstklassig und lies keinen Zweifel daran, dass er kein Neuling mehr war.

Stefan packte noch schnell das neue Equipment ein und ich taumelte zum Haus vom Anfang, um meine fast leere Winchester nun doch gegen die Lee Enfield zu tauschen, bevor wir uns schließlich in die westlichen Wälder zurückzogen, wo ich am Lagerfeuer notdürftig meine Verletzungen behandelte. Es war zwar Notwehr, aber nun war auch ich zum Killer geworden und mein Vertrauen begann immer mehr zu bröckeln.

Mein DayZ Logbuch – Geschichten eines Überlebenden:
Einleitung:
Kapitel 1 | Kapitel 2 | Kapitel 3 | Kapitel 4 | Kapitel 6 | Kapitel 7

5 Comments

  1. Das Spiel ist schon genial. Wenn ich einen PC hätte, oder einen Rechner mit ausreichender Leistung, dann wäre ich schon längst im DayZ-Fieber. Aber mein iMac hat leider eine schlechte Grafikkarte…

  2. Ich warte noch auf die Stadnd-Alone-Version, dann versuche ich mich auch mal am Überlebenskampf. Hoffentlich reicht bei meinem Rechner die Leistung…

  3. Da ich DayZ auch nach mehreren Versuche entwerder garnicht oder nur sehr sehr unstabil zum laufen bekomme, habe ich mich entschlossen auf die Standalone-Variante zu warten. An dieser Stelle möchte ich dir ein Lob für dieses sehr interessante DayZ-Tagebuch aussprechen. Weiter so!

  4. jensgameexperience Says:

    Warum geht es hier denn nicht weiter mit dem spannenden Tagebuch? Was ist mit der Busfahrt? Oder warst du nicht letztens mit zwei sehr interessanten Herrschaften unterwegs?! 😉

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